Zerkratzte Möbel, Teppiche oder Türrahmen können für den Menschen ärgerlich sein. Aus Sicht der Katze handelt es sich jedoch weder um schlechtes Benehmen noch um den Versuch, die Wohnungseinrichtung zu zerstören. Kratzen gehört zum natürlichen Verhalten der Katze und erfüllt gleichzeitig mehrere wichtige Funktionen.
Das Ziel sollte deshalb nicht darin bestehen, einer Katze das Kratzen abzugewöhnen. Sinnvoller ist es, ihr einen Platz anzubieten, der ihre Bedürfnisse besser erfüllt als Sofa oder Sessel. Ein passend ausgewählter Kratzbaum für Katzen kann das natürliche Kratzverhalten auf eine geeignete Oberfläche lenken und gleichzeitig Möglichkeiten zum Strecken, Klettern, Beobachten und Ausruhen bieten.
Kratzen ist ein natürliches Bedürfnis und keine schlechte Angewohnheit
Katzen kratzen unabhängig davon, ob sie ausschließlich im Haus leben oder nach draußen dürfen. Im Freien nutzen sie beispielsweise Baumstämme, Holz und andere Oberflächen, die den Krallen ausreichend Widerstand bieten. In der Wohnung wählen sie dagegen das, was zur Verfügung steht: Sofaseiten, Teppiche, Sessel, Matratzen oder Holzmöbel.
Kratzt eine Katze immer wieder an derselben Stelle, bedeutet das meist, dass Material, Position oder Standort ihren Bedürfnissen entsprechen. Statt das Verhalten selbst als Problem zu betrachten, lohnt es sich zu überlegen, warum gerade diese Stelle so attraktiv ist.
Welche Funktionen erfüllt das Kratzen?
Pflege der Krallen
Beim Kratzen hilft die Katze dabei, abgenutzte äußere Hornhüllen der Krallen abzustreifen. Die häufig verwendete Formulierung, Katzen würden ihre Krallen lediglich „schärfen“, ist daher eine Vereinfachung. Das Kratzen ist ein Bestandteil der natürlichen Krallenpflege.
In der Nähe eines häufig benutzten Kratzplatzes findet man manchmal dünne, durchsichtige Hüllen, die wie leere Krallen aussehen. Meist handelt es sich um abgestoßene äußere Krallenhüllen und nicht um beschädigte Krallen.
Strecken des Körpers
Beim Kratzen an einer senkrechten Fläche strecken viele Katzen ihre Vorderbeine weit nach oben, verlängern den Rücken und drücken mit erheblicher Kraft gegen die Oberfläche. Kratzen ermöglicht somit gleichzeitig eine ausgiebige Streckung des Körpers.
Ein sehr kurzer Kratzstamm kann deshalb für eine große erwachsene Katze wenig attraktiv sein, selbst wenn das verwendete Material hochwertig ist. Die Kratzfläche sollte eine natürliche Körperhaltung ermöglichen.
Markierung der Umgebung
Kratzen hat auch eine kommunikative Funktion. Die Katze hinterlässt sichtbare Kratzspuren und gleichzeitig ihren eigenen Geruch über Drüsen im Bereich der Pfoten.
Das erklärt, warum viele Katzen bevorzugt an gut sichtbaren Stellen, an häufig genutzten Laufwegen oder in der Nähe von Raumzugängen kratzen. Aus Sicht der Katze sind diese Orte keineswegs zufällig gewählt.
Warum ist das Sofa manchmal attraktiver als der Kratzbaum?
Nur weil ein Kratzbaum vorhanden ist, bedeutet das noch nicht, dass die Katze ihn für die beste verfügbare Kratzfläche hält. Ein Sofa kann aus mehreren praktischen Gründen gewinnen.
Es steht häufig dort, wo sich Menschen und Katze besonders oft aufhalten. Es ist schwer und stabil, der Bezug bietet den Krallen Widerstand und die Seitenfläche kann hoch genug sein, damit sich die Katze bequem strecken kann.
Ein kleiner Kratzbaum in einer kaum genutzten Ecke, der bei Berührung wackelt und nur einen kurzen Stamm besitzt, kann dagegen deutlich weniger interessant sein.
Was zeichnet einen guten Kratzplatz aus?
Es gibt keine einzelne Oberfläche, die für jede Katze ideal ist. Einige grundlegende Eigenschaften sind jedoch besonders wichtig.
Stabilität
Beim kräftigen Kratzen drückt die Katze stark gegen die Oberfläche und verlagert einen Teil ihres Körpergewichts darauf. Die Konstruktion sollte deshalb weder verrutschen noch kippen oder unangenehm schwanken.
Bei größeren Kratzbäumen hängt die Stabilität nicht nur von der Größe der Bodenplatte ab. Auch die Anordnung der Säulen und Liegeflächen, die Qualität der Verbindungen und die Proportionen der gesamten Konstruktion spielen eine Rolle. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Woran erkennt man einen wirklich guten Kratzbaum?
Ausreichende Länge der Kratzfläche
Eine Katze, die bevorzugt senkrecht kratzt, sollte ihre Vorderbeine nach oben strecken und den Körper vollständig verlängern können. Beim Vergleich verschiedener Modelle ist deshalb nicht nur die Gesamthöhe wichtig, sondern vor allem die tatsächlich nutzbare Länge der Kratzfläche.
Material mit passendem Widerstand
Sisalseil ist sehr verbreitet, manche Katzen benutzen jedoch auch gerne Sisalmatten, Karton, Holz oder andere strukturierte Oberflächen. Das bisherige Kratzverhalten der Katze liefert häufig gute Hinweise auf ihre Vorlieben.
Senkrecht, waagerecht oder schräg?
Nicht jede Katze kratzt auf die gleiche Weise. Manche bevorzugen einen hohen senkrechten Stamm, andere einen Teppich oder eine horizontale Kratzmatte und wieder andere mögen schräg angeordnete Flächen.
Kratzt eine Katze konsequent am Teppich, ignoriert jedoch einen senkrechten Stamm, ist das eine wertvolle Information über ihre Vorlieben. Eine zusätzliche horizontale Kratzfläche kann dann sinnvoller sein.
In Mehrkatzenhaushalten können die Unterschiede besonders deutlich werden. Jedes Tier kann ein anderes Material, eine andere Ausrichtung und einen anderen Standort bevorzugen.
Wo sollte ein Kratzbaum stehen?
Der Standort kann ebenso wichtig sein wie die Konstruktion. Ein Kratzbaum in einem selten genutzten Raum kann für eine Katze wesentlich weniger interessant sein als ein Möbelstück an einem täglich genutzten Laufweg.
Geeignete Standorte sind beispielsweise:
- Stellen, an denen die Katze bereits kratzt;
- Bereiche in der Nähe bevorzugter Schlaf- und Ruheplätze;
- Laufwege zwischen wichtigen Bereichen der Wohnung;
- Räume, in denen sich Katze und Menschen häufig aufhalten.
Viele Katzen kratzen nach dem Aufwachen. Eine Kratzfläche in der Nähe des bevorzugten Schlafplatzes kann deshalb wesentlich häufiger genutzt werden als die gleiche Konstruktion an einem zufällig gewählten Standort.
Braucht auch eine Freigängerkatze einen Kratzplatz im Haus?
Freigängerkatzen haben draußen Zugang zu zahlreichen natürlichen Kratzmöglichkeiten, darunter Bäume und Holzkonstruktionen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Bedürfnis zu kratzen verschwindet, sobald sie sich im Haus befinden.
Verbringt die Katze einen erheblichen Teil des Tages oder der Nacht in der Wohnung, ist auch dort eine geeignete Kratzfläche sinnvoll.
Bei mehreren Katzen kann ein einziger Kratzplatz zu wenig sein
In einem Mehrkatzenhaushalt sollte man Kratzflächen als wichtige Ressource betrachten. Ein großer Kratzbaum kann sehr attraktiv sein, ersetzt jedoch nicht in jedem Fall mehrere Kratzmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen.
Eine Katze bevorzugt vielleicht den Stamm im Wohnzimmer, eine andere eine Matte am Schlafplatz und eine dritte eine Kratzmöglichkeit am Fenster. Durch mehrere Angebote müssen außerdem nicht alle Tiere denselben Platz nutzen.
Was tun, wenn die Katze Möbel zerkratzt?
Versuchen Sie nicht, das natürliche Kratzbedürfnis zu unterdrücken. Effektiver ist es, das Verhalten auf eine geeignete Oberfläche umzulenken.
Kratzt die Katze regelmäßig an derselben Sofaecke, sollte zunächst direkt daneben eine stabile Kratzfläche angeboten werden. Ihre Ausrichtung sollte möglichst der Position entsprechen, die die Katze selbst bevorzugt.
Benutzt die Katze den neuen Platz, kann dieses Verhalten durch Spiel, ruhiges Lob oder eine andere angenehme Belohnung verstärkt werden. Es ist nicht notwendig, ihre Pfoten zu nehmen und Kratzbewegungen am Stamm auszuführen.
Wird der Kratzbaum weiterhin ignoriert, überprüfen Sie zuerst Stabilität, Länge der Kratzfläche, Material und Standort.
Braucht jede Katze einen großen Kratzbaum?
Das natürliche Kratzbedürfnis bedeutet nicht, dass jede Katze eine riesige mehrstöckige Konstruktion benötigt. Auch ein stabiler einfacher Kratzstamm oder eine passende Matte können als Kratzfläche hervorragend funktionieren.
Ein größerer Kratzbaum bietet jedoch zusätzliche Möglichkeiten wie vertikalen Kletterraum, erhöhte Beobachtungsplätze, Liegeflächen, Höhlen, Hängematten und Schlafplätze. Er wird dadurch zu einem Teil der gesamten Wohnumgebung der Katze.
Der beste Kratzplatz passt zum Verhalten der Katze
Katzen kratzen nicht ohne Grund. Das Verhalten dient unter anderem der Krallenpflege, dem Strecken des Körpers und der Markierung der Umgebung. Steht eine geeignete Oberfläche am richtigen Ort zur Verfügung, wird sie von vielen Katzen gerne genutzt.
Beobachten Sie deshalb Ihre eigene Katze. Wo kratzt sie? Welche Körperhaltung nimmt sie ein? Welches Material wählt sie und wie weit streckt sie ihre Vorderbeine?
Wenn Sie verschiedene Konstruktionen vergleichen möchten, finden Sie in unserer Kategorie Kratzbäume für Katzen sowohl einfachere Modelle als auch umfangreiche Anlagen zum Kratzen, Klettern, Spielen und Ausruhen.
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